In einem Treffen, an dem ich kürzlich teilnahm, zitierte ein prominenter Teilnehmer den folgenden Text:
« Eine Regierung, die, unter welche Vorwände es auch sei, ihre Armee vernachlässigt, ist daher in den Augen der Nachwelt schuldig, weil sie ihren Truppen und ihrem Lande Demütigungen bereitet, statt durch eine entgegengesetzte Politik Erfolge vorzubereiten. Fern sei von uns der Gedanke, dass eine Regierung alles der Armee opfern solle; dies wäre eine Ungereimtheit. […] Hauptsächlich in langer Friedenszeit ist es nötig, über die Erhaltung der Armeen zu wachen, denn gerade in einer solchen Periode können sie leicht in Verfall geraten.»
Bei diesem Zitat könnte man meinen, einen Bundeshaus-Journalisten oder einen sachkundigen Beobachter der Bundespolitik zu hören, da diese Aussagen Ähnlichkeiten mit der Verteidigungspolitik der Schweiz in den letzten Jahrzehnten aufweisen.
Aber das ist nicht der Fall! Es handelt sich um einen Text von Antoine Henri Jomini (1799 – 1869), Schweizer Offizier, Militärhistoriker und -theoretiker aus seinem berühmten Werk „Abriss der Kriegskunst“ (Kapitel II, Artikel 13), der im Dienst von Napoleon I. und später der Zaren Alexander I. und Nikolaus I. stand,. Obwohl Jomini als „Napoleons Seher“ bezeichnet wurde, war er kein Prophet, sondern einfach nur Realist…
Wie übrigens auch General Henri Guisan (1874 – 1960), der in seinem Rapport von Jegenstorf vor seinen höheren Stabsoffizieren, die sich am 19. August 1945 zum Ende des Aktivdienstes versammelt hatten, erklärte:
« Die Aufgabe, die jetzt vor uns liegt, wird nicht leicht sein. […] Erstens ist Dankbarkeit kein dauerhaftes Gefühl. […] Zweitens ist Vorstellungskraft eine seltene Gabe. Die grosse Mehrheit unseres Volkes wird sich in den kommenden Jahren – genauso wenig wie 1920, 1930 oder danach – Gedanken darüber machen, ob und wie das Land erneut bedroht werden könnte. Was wir vor allem ab 1933 getan haben, um sie zu warnen, um an ihr Bewusstsein und ihre Wachsamkeit zu appellieren, was wir getan haben, wird immer wieder neu getan werden müssen.»
Die Entwicklung der Dinge – insbesondere seit den 1990er Jahren – hat ihm Recht gegeben! Hoffen wir, dass das Aufbäumen des Realismus, das man kürzlich in den eidgenössischen Räten feststellen konnte, dauerhaft bleiben wird…
Dies sollte uns also in unserer Aufgabe bestärken, die Geschichte zu hinterfragen und ihre Lehren zu verbreiten.
Aber es ist auch unsere Aufgabe, uns zu erinnern und uns mit der Vergangenheit zu beschäftigen, sei sie nun lang oder kurz zurückliegend. Im Jahr 2025 werden wir dazu Gelegenheit haben, denn es jähren sich die Todestagen von zwei unserer Schweizer Generäle mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten:
- 150 Jahre Todestag von General Guillaume Henri Dufour (1787-1875).
- 100 Jahre Todestag von General Ulrich Wille (1848-1925).
Dies wird uns mehrfach beschäftigen, und Sie werden regelmässig darüber informiert.
Um das Jahr 2024 ruhig ausklingen zu lassen und das Jahr 2025 entschlossen zu beginnen, bringt Ihnen der Vorstand einige Informationen und Einladungen.
Nächste Veranstaltungen
Sie können sich schon jetzt die folgenden Daten vormerken:
- 30.01.2025, 19.00 Uhr, Meilen ZH „Im Löwen“, Festakt General Wille, organisiert von der Gemeinde Meilen, mit mehreren Ansprachen und historischen Beiträgen (siehe den angehängten Flyer);
- 22.02.2025, 09.00 Uhr, Zürich „Im Glockenhof“, Frühjahrstagung der GMS zum Thema General Wille, mit Beiträgen mehrerer unserer Mitglieder.
Details werden Ihnen zu gegebener Zeit mitgeteilt.
Publikationen
Im Anhang finden Sie die Flyer von vier aktuellen Publikationen unserer Mitglieder:
- Andreas Rüdisüli, „ARES VII – Une pensée militaire romande – Ein Gegenentwurf zum preussischen Militarismus?“, Verlag Hier und Jetzt, Zürich, 2024 (nur auf Deutsch…!);
- Mathijs Roelofsen, „Chevaucher en bonne compagnie – L’organisation militaire de Fribourg au Moyen-âge“, Schwabe Verlag, Basel, 2024 (nur auf Französisch);
- Rudolf Jaun, „Wille, un général contesté et admiré“, InFolio Verlag, Golion, 2024;
- Rudolf Jaun, „General Wille, ein bekämpfter und verehrter Schweizer Offizier“, Swiss Edition, Weinfelden, 2024.
Da die Weihnachtsfeiertage und die langen Abende an der Wärme bevorstehen, empfehlen wir Ihnen den Kauf und die Lektüre dieser Bücher.
Internationale Kommission für Militärgeschichte ICMH
Die ICMH wird ihren 50. Kongress vom 31.08.2025 bis zum 06.09.2025 in Dakar (Senegal) unter dem allgemeinen Thema „Rebellionen, Sezessionen und Souveränität in der jüngsten Vergangenheit“ abhalten. Sie können sich dieses Datum in Ihrem Kalender vormerken; die Details werden wir Ihnen zu einem späteren Zeitpunkt mitteilen.
Auf diesem Kongress werden die alle fünf Jahre stattfindenden allgemeinen Wahlen zum ICHM-Komitee abgehalten. Viele Funktionen werden ausgeschrieben, und es wäre schön, wenn die SVMM bzw. die Schweiz nach einigen Jahren Abwesenheit wieder in diesem zentralen Organ vertreten wäre.
Wenn Sie Interesse an einem solchen Amt haben, nehmen Sie unverbindlich Kontakt mit der Schweizer Kommission auf: president@ashsm.ch.
In der Hoffnung, Sie im Jahr 2025 bei unseren Aktivitäten wiederzusehen oder in einer Publikation oder auf unserer Website www.ashsm-svmm.ch von Ihnen zu lesen, wünscht Ihnen der Vorstand frohe Festtage sowie ein gutes und glückliches Neues Jahr.
Freundliche Grüsse
Ihr Präsident und der Vorstand
Dominique Andrey, Korpskommandant (aD)