Das Jahr 2025 stand ganz im Zeichen des 200-jährigen Jubiläums mehrerer Offiziersvereine in der Westschweiz: der Société militaire de Genève und der Société romande des armes spéciales. Im Kanton Waadt betrifft dies die wichtigste unter ihnen, die Société vaudoise des officiers (SVO), deren tatsächliche Gründung auf das Jahr 1843 zurückgeht. Diese verschiedenen Vereine spielten eine treibende Rolle bei der Entstehung einer Bundesarmee und später bei der Verteidigung ihrer Interessen innerhalb der Gesellschaft.
In diesen 200 Jahren gab es zahlreiche Auseinandersetzungen: Wehrpflicht, Finanzierung, Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen und schliesslich die Abschaffung der Armee. Die historischen Hintergründe waren unterschiedlich: Kriegsgefahr zwischen Bern und Waadt 1814–1815, Bürgerkrieg 1847, Kriegsgefahr 1857 und 1870, Weltkrieg 1914 und 1939, Kalter Krieg ab 1945, «Ende des Krieges» ab 1989, «Rückkehr des Krieges» ab 2014. In jedem dieser Kontexte hat sich die Rolle des Offiziers im Zuge der Reformen und Neuerungen innerhalb der militärischen Institution in einer sich wandelnden Gesellschaft weiterentwickelt.
Das vorliegende Werk befasst sich mit dem Waadtländer Offizier, sei es in der Miliz, in den Kantonaltruppen oder in der Bundesarmee. Seine Geschichte ist eng mit der Geschichte des Kantons und des Landes verflochten, da er ein reines Produkt des schweizerischen und waadtländischen Milizsystems ist. Das Buch ist jedoch nicht nur eine einfache Chronik dieser Militärgesellschaften; es ordnet die Entwicklung des Milizsystems treffend in die verschiedenen politischen, sozialen und strategischen Kontexte dieser 200 Jahre ein. Der historiografische Beitrag ist daher äusserst interessant.
Pierre Streit, Christian Bühlmann & al. – Bürger und Offizier
Pierre Streit, Christian Bühlmann, Félicien Monnier, Claude Meier
Citoyen et officier – L’officier vaudois 1825-2025 (nur auf französisch)
Infolio Editions, Gollion, 2025
166 Seiten, broschiert, zahlreiche Farbabbildungen
ISBN 978-2-88968-191-4
Die militärische Organisation der Schweiz war schon immer durch eine starke Einbindung der Bürger gekennzeichnet, die – im Rahmen des Milizsystems – neben ihrer zivilen Tätigkeit und der Ausübung ihrer Bürgerrechte in nicht ständigen Verbänden Dienst leisten.