War and Society – 500 Jahre deutsche Militärgeschichte“, so lautete der Titel dieses Vortrags. Aber warum eigentlich? Unser Vizepräsident Dr. Michael Olsansky skizzierte dies in seiner Einleitung: „Man kann den Krieg nur verstehen, wenn man die Gesellschaft und die Politik versteht; man kann die Entwicklung der Gesellschaften nur verstehen, wenn man die Kriege berücksichtigt.“ Tatsächlich handelte es sich an diesem Abend um eine zusammenfassende Vorstellung des meisterhaften, 1300 Seiten starken Werkes des Referenten, das 2025 erschienen ist: „Deutsche Militärgeschichte. Von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart“
Stig Förster hat deutlich gezeigt, dass Militärgeschichte nicht nur eine Geschichte des Militärs und der Soldaten ist, sondern auch eine Geschichte der Politik und der Gesellschaft; Militärgeschichte ist nicht nur eine Geschichte von Feldzügen und Schlachten. Er hat jedoch auch betont, dass sich die von ihm behandelte deutsche Militärgeschichte nicht allein auf Deutschland beschränken könne – das sich im Übrigen in diesen 500 Jahren so stark gewandelt hat! –, sondern ganz Europa berücksichtigen müsse, da Deutschland von seinen Nachbarn beeinflusst und in deren Geschehnisse verwickelt war und diese wiederum selbst beeinflusst und in seine Geschehnisse verwickelt hat, bis hin zum Kalten Krieg und dessen Folgen.
Er veranschaulichte dies anhand einiger Phasen im Zeitraum von 1492 bis 2024:
- Das Söldnertum an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert;
- Die Bauernkriege im 16. Jahrhundert;
- Der Dreissigjährige Krieg im 17. Jahrhundert;
- Der Aufstieg des preussischen Militarismus im 18. Jahrhundert und der Siebenjährige Krieg;
- Die Napoleonischen Kriege im 19. Jahrhundert und ihre Massenaushebungen;
- Die daraus resultierenden „Befreiungskriege“, insbesondere Preussens gegen andere deutsche Fürstentümer;
- Der Deutsch-Französische Krieg im 19. Jahrhundert, der zum Zusammenbruch des französischen Kaiserreichs und zur Entstehung des Deutschen Reiches führte, mit seinen machtpolitischen und gesellschaftlichen Folgen;
- Der Erste Weltkrieg: imperialistisch, wirtschaftlich, industriell;
- Der Zweite Weltkrieg: ideologisch, strategisch, total;
- Der Kalte Krieg und die Koexistenz von BRD und DDR: zwei völlig gegensätzliche militärische, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Modelle;
- Bis hin zur grossen Abrüstung, um „die Dividenden des Friedens zu ernten“;
- Und die Rückkehr des Krieges, zwischen Russland und der Ukraine, der jedoch auch Deutschland und Europa mit einbezieht…!
Dieser meisterhafte, wenn auch viel zu kurze Überblick hat deutlich gezeigt, dass es sich lohnt, in das Buch einzutauchen, und dass es nicht nur für Fachleute bestimmt ist, sondern sich auch an die breite Öffentlichkeit richtet. Es ermöglicht all jenen, die die Gegenwart verstehen wollen, durch den Blick in die Vergangenheit fundierte Erklärungen zu finden.
Fazit: ein spannender und lehrreicher Abend.