Jean-Marc Hochstrasser widmete sich zunächst dem Fremden Dienst und untersuchte dabei die „Auswirkungen von innenpolitischen Ereignissen in Ländern mit Schweizer Söldner-Regimentern auf diese und umgekehrt“.
Er erläuterte anschaulich, wie die Schweizer Kantone verlangten, dass ihre unter Vertrag stehenden Regimenter nur innerhalb der betreffenden Länder eingesetzt werden durften und nicht in Kriegen im Ausland … wo sie Gefahr liefen, auf andere Schweizer Regimenter zu treffen!
Unter dem Ancien Régime wurden ihnen daher im Wesentlichen Schutz- und Ordnungsdienstaufgaben zugewiesen. Ohne sich in den politischen Kontext einzumischen, erfüllten sie die ihnen übertragenen … und bezahlten Aufträge von den Machthabern, auch wenn sie sich damit der Ablehnung der aufständischen Bevölkerung aussetzten.
Das System brach mit der Französischen Revolution und dem darauf folgenden napoleonischen Regime fast vollständig zusammen, da die im Ausland eingesetzten Schweizer Truppen eher der Wehrpflicht als dem Söldnerdienst unterstanden und dies fast ausschliesslich zugunsten des französischen Kaiserreichs.
Ab der Restauration gab es verschiedene Versuche, das alte System wieder in Kraft zu setzen, doch die Zeiten hatten sich geändert, sowohl in der Schweiz – wo der Fremdendienst politisch zunehmend umstritten war – als auch in den Ländern, die aus politischen und finanziellen Gründen auf Söldner zurückgriffen.
Fazit: Die Schweizer Regimenter dienten ihren Auftraggebern und Geldgebern treu und mischten sich nur indirekt in die politischen Turbulenzen der betroffenen Länder ein.
Derck Engelberts beschrieb seinerseits die umgekehrte Situation, in der ausländische Truppen in der Schweiz zur Unterstützung der amtierenden Regierung eingesetzt wurden. Sein Vortrag trug den Titel „Die helvetische(n) Revolution(en) und die französischen Streitkräfte im Jahr 1798: eine atypische Situation“.
Im Jahr 1798 führte der Einmarsch französischer Truppen in die Schweiz in vielen Kantonen eher zum Sturz des Ancien Régime, als dass er diesen erzwang. Als jedoch die Helvetische Republik gegründet wurde, waren diese Kantone und ihre Milizen wenig geneigt, die zentralisierte Macht zu unterstützen, und so waren es die französischen Truppen der Armée d’Helvétie, die – mit einer Reihe von Exzessen – die innere Sicherheit des Landes, aber ab 1799 auch dessen Verteidigung – und damit die eines Flügels der Französischen Republik – gegenüber den Armeen der Zweiten Koalition übernehmen mussten.
Fazit: Die französischen Truppen sahen sich nicht als Besatzungsarmee, sondern als Stütze des neuen Regimes… obwohl sie sich tatsächlich auf erobertem Boden fühlten!
Und schliesslich behandelte Dominique Andrey einen helvetisch-schweizerischen Fall mit dem „Einfluss des Milizsystems auf die Entstehung der modernen Schweiz“.
Bereits unter dem Ancien Régime stützten die Kantone ihre militärische Organisation auf das Milizprinzip, d. h. die Aufstellung von Bürgerkontingenten je nach Lage und Bedarf. Die Helvetische Republik war eine Zwischenphase, in der eine nationale Wehrpflichtarmee weder den Bedürfnissen der Zentralregierung noch denen der Kantone gerecht werden konnte.
Mit dem Mediationsakt und dem Bundesvertrag von 1815 kehrte man zum Milizsystem – den Bürger-Soldaten – und zu den kantonalen Kontingenten zurück. Diese umfassten somit eine Vielzahl von Personen, die sich neben ihrer beruflichen Tätigkeit freiwillig für die Gemeinschaft in politischen und/oder militärischen Aktivitäten engagierten.
Und als es ab 1817 darum ging, einen eidgenössischen Rahmen zu schaffen (Eidgenössischer Generalstab, Zentrale Militärschule, Eidgenössische Lager), waren es dieselben Persönlichkeiten, die man wiederfand, diesmal jedoch aus allen Kantonen! Sie lernten sich kennen, tauschten Ideen und Erfahrungen aus und wägten die Nachteile des politischen Status quo gegen die potenziellen Vorteile eines föderalen Systems ab; es war ein wahrer Schmelztiegel der Meinungen. Sie trugen diese Ideen in ihre Heimatkantone zurück und trugen so zur Verbreitung liberaler Ideen bzw. zur Angst vor Reformen bei.
Als die Sonderbundskrise ausbrach, standen diese Milizler auf beiden Seiten, trugen aber – weil sie sich kannten – zu einer raschen und humanen Beilegung des Konflikts bei. Viele von ihnen waren dann ab 1848 an der politischen Gestaltung des neuen Bundesstaates beteiligt.
Fazit: Es waren nicht die Militärs, die das Land reformierten, aber sie trugen dazu bei, da sie auch Bürger waren.
Diese Frühjahrstagung der GMS und der SVMM bot Gelegenheit, oft ungeahnte – oder zumindest vernachlässigte – Blickwinkel auf unsere Militärgeschichte zu beleuchten und miteinander zu vergleichen.