Im Zuge der 1824 in Aarau gegründeten Schweizerischen Schützen-Gesellschaft entstand 1825 in Lausanne die Waadtländer Schützen-Gesellschaft, vor dem Hintergrund des Aufbaus des jungen Kantons Waadt und der Festigung der nationalen Identität. In ihren Anfängen war diese Praxis eng mit der Landesverteidigung, der Ausbildung der Bürger-Soldaten und der Stärkung des nationalen Zusammenhalts verbunden. Zu ihren wichtigsten Gründern zählt Oberstleutnant Bégos. Die ersten kantonalen und eidgenössischen Schützenfeste, insbesondere dasjenige von Lausanne im Jahr 1836, hatten eine starke symbolische und politische Dimension und trugen zur Entstehung der modernen Schweiz bei. Im weiteren Verlauf wird auch die Bedeutung der im Kanton Waadt organisierten eidgenössischen Schützenfeste deutlich, insbesondere jene von Lausanne in den Jahren 1876 und 1954.
Vor dem Hintergrund ausländischer Bedrohungen und der Verstärkung der Bundesarmee erlebten die Schützenvereine ab den 1860er Jahren eine besondere Entwicklung, als die Bundesbehörden begannen, ihnen die Organisation des ausserdienstlichen Schiesswesens zu übertragen. Diese Entwicklung wurde durch die Militärordnung von 1874 bestätigt, die das Schiessen für alle Wehrpflichtigen zur Pflicht machte und ihnen die Mitgliedschaft in einem Schützenverein vorschrieb.
Im Laufe der Jahrzehnte verbreiteten sich die Schützenvereine im gesamten Kanton, sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten. Sie wurden zu Orten der Geselligkeit und des volksnahen Zusammenkommens, behielten dabei jedoch ihren patriotischen und militärischen Charakter bei. Nach und nach entwickelte sich das Schiessen zu einer eher sportlichen Betätigung, wobei Waffen, Distanzen und Regeln vereinheitlicht wurden. Es entstehen neue Disziplinen wie das Pistolen- und später das Luftgewehrschiessen.
Diese reich bebilderte Broschüre beleuchtet zudem die ständige Weiterentwicklung der Dachverbände bis hin zur heutigen AVTS sowie die schrittweise Öffnung des Schiesssports für ein breiteres Publikum, insbesondere für Jugendliche und Frauen. Schliesslich unterstreicht sie die Bedeutung der ehrenamtlichen Arbeit und des Engagements in Vereinen, ohne die der Waadtländer Schiesssport zwei Jahrhunderte nicht hätte überstehen können. Das 200-jährige Jubiläum im Jahr 2025 wird somit als Feier der Vergangenheit und als Bekenntnis zur Zukunft präsentiert.
David Auberson, Gilbert Marion – Zweihundert Jahre Schützenvereine im Kanton Waadt
David Auberson, Gilbert Marion
Deux cents ans de tir associatif dans le canton de Vaud (nur auf Französisch)
Association vaudoise de tir sportif, Lausanne, 2025
39 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen
Als Open-Access-Publikation: https://www.tir-vd.ch/brochure-200ans-tir-vaudois.pdf
Dieses Werk, das anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Société vaudoise des carabiniers verfasst wurde, die im Jahr 2025 zur Association vaudoise de tir sportif (AVTS) wurde, zeichnet die Geschichte des Schiesssports im Waadtland nach und beleuchtet dessen Rolle nicht nur als militärische Disziplin, sondern auch als wichtigen Bestandteil des Vereins-, Kultur-, Politik- und Sportlebens im Kanton Waadt.