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Präambel
Historische Bildung ist kein Luxus, sondern ein Fundament unserer Gesellschaft. In Zeiten politischer Polarisierung hält eine vielstimmige Auseinandersetzung mit Geschichte unsere Demokratie lebendig. Historische Bildung fördert «Vielfalt in der Einheit»: Sie stärkt plurale Teilhabe und nationale Identität, Kontroverse und Gemeinsinn, Tradition und Innovation. Sie bildet Brücken, gibt Orientierung in der Welt und befähigt kommende Generationen, ihre Zukunft in Freiheit zu gestalten.
Geschichte als Fundament der Demokratie
In der vielsprachigen Schweiz ist die Pflege des historischen Erbes und dessen kritische Erforschung zentral für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Historische Bildung vertieft das Verständnis unserer «Willensnation», ihrer Institutionen und Werte, Möglichkeiten und Grenzen, Leistungen und Versäumnisse. Wer um die historischen Grundlagen von Freiheit, Gleichheit, Solidarität, Rechtsstaatlichkeit, Föderalismus, Menschenrechte und Demokratie weiss, erkennt die Herausforderungen der Zeit.
Geschichte als Kompass in der globalisierten Welt
Kriege, Klimawandel, geopolitische Spannungen, eine neue Weltordnung im Entstehen: Nur wer die historischen Hintergründe versteht, kann die heutige Flut von Bildern und Nachrichten in den Medien sinnvoll deuten. Geschichtsunterricht fördert das Bewusstsein für globale Zusammenhänge und Medienkompetenz. Historische Bildung befähigt künftige Entscheidungsträgerinnen und -träger dazu, sich kompetent in einer komplexen Welt zurecht zu finden und diese mitzugestalten.
Geschichte im digitalen Zeitalter
Im Zeitalter von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz ist historische Bildung unverzichtbar. Quellenkritik schützt vor Manipulation durch Fake News, schult den reflektierten Umgang mit Informationen und Narrativen. Der Blick in die Geschichte früherer technologischer Revolutionen lehrt uns, mit der digitalen Transformation verantwortungsvoll umzugehen: kritisch gegenüber Risiken, offen für Chancen, in Sorge um das, was es zu bewahren gilt, und in der Hoffnung auf Fortschritt und Wohlstand.
Geschichte als Schlüsselkompetenz in der Arbeitswelt
Analytisches Denken, kritische Reflexion, klare Argumentation, packendes Storytelling – Kompetenzen von Historikerinnen und Historikern sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Ob in Verwaltung, Medien, Bildung, Kultur oder Wirtschaft: Wer historische Methoden beherrscht, kann Informationen prüfen, Wissen vermitteln, Fragen stellen, durch Erzählungen Sinn stiften, Gewissheiten herausfordern, Perspektiven verstehen und über den eigenen Tellerrand hinweg Zusammenhänge herstellen.
Geschichte als Schule der Zukunft
Historische Bildung verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie befähigt junge Menschen, heutige Herausforderungen in ihrer Gewordenheit zu begreifen. Die Geschichte zeigt: Unsere Gegenwart ist von Menschen gemacht, und so muss auch die Zukunft aktiv gestaltet werden. Der Blick in die Geschichte kann Orientierung geben und für produktive Irritation sorgen, Bescheidenheit und Ambition zu gleich lehren. Historische Bildung ist somit ein wichtiger Faktor in der persönlichen Entwicklung hin zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern.
Geschichte braucht Raum
Historische Bildung muss wissenschaftlich fundiert, politisch ausgewogen, eigen ständig und kritisch gegenüber Ideologien sein. Das Schulfach Geschichte muss verbindlich in Lehrplänen verankert sein, mit ausreichend Lektionen, um die demokratische Kultur unseres Landes zu stärken. Historische Bildung ermöglicht kontroverse Debatten und fördert eine sachliche öffentliche Gesprächskultur, die vor Moralisierung und Polarisierung schützt.
Schluss
Eine Gesellschaft, die ihre Geschichte vernachlässigt, schwächt ihr gemeinsames Band. Eine Gesellschaft ohne reflektiertes Geschichtsbewusstsein verliert ihren Kompass. Wer aber die Geschichte kennt, gewinnt Freiheit – die Freiheit, selbst ständig zu denken, Verantwortung zu übernehmen, und die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Historische Bildung ist dafür ein zentraler Schlüssel.